Sollte Cybersicherheit an Schulen unterrichtet werden? | WeLiveSecurity

Sollte Cybersicherheit an Schulen unterrichtet werden?

Experten schalten sich in die Debatte ein, ob Cybersicherheit in der Schule unterrichtet werden sollte, damit Kinder die Vorteile der Internetwelt sicher nutzen können.

Experten schalten sich in die Debatte ein, ob Cybersicherheit in der Schule unterrichtet werden sollte, damit Kinder die Vorteile der Internetwelt sicher nutzen können.

Bildung ist einer der wichtigsten Schlüsselfaktoren in unserem Leben. Die Bildungssysteme aller Länder versuchen Kinder nicht nur mit den nötigen Grundkompetenzen auszustatten, sondern möchten auch Fähigkeiten vermitteln, die sie brauchen, um den Alltag zu meistern. Gerade in unserer von Technik geprägten Zeit, sprechen die Argumente dafür, dass grundlegende Kenntnisse zur Internetsicherheit zu den Fähigkeiten gehören, die uns im Alltag helfen.

Neben den Eltern muss auch die Schule hier eine wichtige Aufgabe übernehmen. Deshalb versucht dieser Beitrag aus unserer Artikelserie zum Antimalware Day, einige Fragen rund um die Wichtigkeit der Internetsicherheit im Klassenzimmer zu beantworten. Dabei werden wir uns auf die Informationen verschiedener Organisationen stützen, die vorwiegend aus Lateinamerika stammen und eine aktive Rolle bei der Bildung zukünftiger Generationen spielen.

Erlangen Kinder und Jugendliche mit der Grundschul- und Sekundarstufenausbildung ausreichend Kenntnisse, um im Internet geschützt zu bleiben?

Man kann mit Sicherheit sagen, dass junge Menschen oft über die Risken im Internet nicht Bescheid wissen, wenn sie übermäßig viele Fotos teilen oder sensible Informationen auf Social Media Plattformen posten. Zudem verknüpfen sie diese Angewohnheiten nicht mit den Problemen, die darauf folgen können, wie Grooming, Sexting, Cybermobbing und Phishing. Das bestätigen auch die Ergebnisse eines Projektes namens “Promoting information security in the school environment” („Informationssicherheit in der Schule fördern“, nur in Spanisch verfügbar), welches von der National Universität von Córdoba (Argentinien) ins Leben gerufen wurde. Die Initiatoren des Projektes erklären, dass die Ausbreitung von falschen Internetangewohnten dazu führt, dass Eltern und Bildungseinrichtungen aktiv nach Informationen über die Privatsphäre und die Sicherheit im Netz suchen müssen. Dazu gehören verschiedene Aspekte der Datensicherheit, Kryptographie und Maßnahmen, um Identitäts- und Informationsdiebstahl sowie internetbasierte Cyberattacken zu verhindern.

Zeitgleich bestätigte das auch das Computer Emergency Response Team („Computer-Notfallteam“) der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM-CERT). Nach ihrer Ansicht verfügen Kinder und Teenager nicht über das nötige Wissen zur Internetsicherheit, wenn sie die Grundschule und die Sekundarstufe durchlaufen haben. Während der Computerunterricht manchmal Aspekte einer guten Cyber-Hygiene behandelt, wird das Verhalten im Internet nicht ausreichend thematisiert.

Laut Agentina Cibersergura, einer gemeinnützigen Organisation, die Projekte zur Internetsicherheit in Argentinien durchführt, haben die schwach ausgeprägten Cyber-Hygiene-Fähigkeiten bei Jugendlichen verschiedene Gründe. Dazu zählt die Tatsache, dass jede Schule selbst entscheiden kann, ob sie eine Einführung in die Internetsicherheit in den Lehrplan aufnimmt oder nicht. Zum anderen haben Lehrer oft nicht das nötige Fachwissen, um digitale Skills und speziell Wissen zur Internetsicherheit zu vermitteln.

Das Vereinigte Königreich hat neue gesetzliche Richtlinien auf den Weg gebracht, die unter anderem festlegen, dass Cyber-Sicherheit ab 2020 in Grundschulen in den Lehrplan aufgenommen werden soll. Um diesen Prozess zu vereinfachen, können Schulen dabei auf detaillierte Leitfäden zurückgreifen, die ihnen helfen, ihre Schüler auf die Herausforderungen der Online-Welt vorzubereiten.

Abgesehen davon sind viele Experten der Meinung, dass Änderungen im Lehrplan wahrscheinlich nicht genug sind. „Obwohl die bevorstehenden Änderungen im Lehrplan natürlich positiv sind, müssen sie natürlich angemessen finanziert werden und Lehrer müssen entsprechend ausgebildet werden. Wenn sich nicht etwas ändert, um die Finanzen und die Ausbildung für Lehrer bereitzustellen – vielleicht als Teil einer neuen Wahlkampagne – ist es schwer abzusehen, wie diese Lehrplanänderungen ausreichen sollen“, erklärte Claire Levens, Direktorin der gemeinnützigen Organisation Internet Matters, WLS.

Sind sich alle bewusst darüber, dass Internetsicherheit ein wichtiger Bestandteil der Bildung ist?

Es ist typisch, dass Menschen sich nur dann mit Problemen beschäftigen, wenn sie direkt betroffen sind. Das Ergebnis davon ist, laut UNAM-CERT, dass Menschen Technologie oft gedankenlos nutzen und nicht an die Risiken denken, die entstehen, wenn persönliche Informationen gestohlen werden. Erst wenn sie selbst oder Verwandte Opfer von Cyberattacken wurden, werden sie auf das Problem aufmerksam.

„Informationssicherheit wird oft nur als Last betrachtet und nicht als Investition. Das resultiert darin, dass keine Ressourcen zur Vorbereitung der Internetsicherheit bereitgestellt werden. Obwohl zum Beispiel eine Investition in die Bildung am Ende Kosten sparen könnte, da Cyberattacken und deren Folgen eher vermieden werden,“ sagte UNAM-CERT.

Außerdem könnte eine frühe Auseinandersetzung mit dem Thema Internetsicherheit dazu führen, dass mehr Kinder und Jugendliche auf dieses dynamische Arbeitsfeld aufmerksam werden und der Nachwuchsmangel gestoppt wird.

Sollte Unterricht zur Internetsicherheit zur regulären Schuldbildung gehören?

Auch Spanien hat zum Beispiel überlegt, offizielle Richtlinien herauszugeben, die sicherstellen, dass Kinder schon früh über die Online-Gefahren und über sicheres Verhalten im Internet aufgeklärt werden. Die Gesetze Spaniens wurden an die Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) angepasst, das spanische Organgesetz 3/2018 wurde um eine Klausel zum Schutz persönlicher Daten ergänzt und die Garantie der digitalen Rechte beinhaltet einen Abschnitt darüber, dass Internetsicherheit eine größere Rolle im Lehrplan spielen soll. Im weiteren Sinne legt der Abschnitt fest, dass das Bildungssystem garantiert, dass alle Kinder die Möglichkeiten haben, den verantwortungsvollen und respektvollen Umgang mit Technologie und den Schutz der persönlichen Daten zu erlernen.

Basierend auf diesem Beispiel, glaubt Argentina Cibersegura, dass Cyber-Sicherheit ein fester Bestandteil des Lehrplans sein sollte, nicht zuletzt, da „es die Aufgabe der Schule ist, die Bevölkerung zu bilden – und digitale Technologien sollten da nicht auf der Strecke bleiben“.

UNAM-CERT unterstützt diese Sichtweise und hält fest, dass „Internetsicherheit zwingend in der Grundschule und der Sekundarstufe gelehrt werden muss, da wir in einer digitalen Welt leben und sichergestellt werden muss, dass Schule und Studenten sich selbst schützen können, indem sie ein Verständnis entwickeln, wie Technologie funktioniert und welche Risiken sie birgt“.

Sind Lehrer ausreichend ausgebildet?

Obwohl sich viele Lehrer gut mit moderner Technologie auskennen und sie vielleicht schon in den Unterricht integriert haben, heißt das nicht, dass sie darauf vorbereitet sind, Kinder ausreichend im Punkt Internetsicherheit anzuleiten.

Als sie gefragt wurde, ob Lehrer genug Fachwissen besitzen, um Kindern mehr über Internetsicherheit zu vermitteln, sagte Levens von Internet Matters: „Überhaupt nicht. Wir sollten auch im Hinterkopf behalten, dass an Schulen viele Ansprüche gestellt werden und Online-Sicherheit nur eine niedrige Priorität dabei besitzt.“

Viel Hoffnung gibt es auch in Lateinamerika nicht. Eine neue Studie (nur auf Spanisch verfügbar) wurde von Mexico’s National Association of Universities and Higher Education Institutions (ANUIES) durchgeführt und fand heraus, dass nur 51% aller tertiären Bildungseinrichtungen Lehrgänge zur guten Cyber-Hygiene für das Personal anbieten.

In Argentinien sind es ähnlich aus. „Wir arbeiten regelmäßig mit Lehrern zusammen und weder das Bildungssystem noch die Lehrer sind ausreichend ausgestattet, um diese Herausforderung zu meistern“, sage Argentina Cibersegura. „Während immer mehr Lehrer die Vorträge von Argentina Cibersegura besuchen, um mehr über Online-Gefahren zu lernen, fühlen sie sich nicht sicher genug, um dieses Thema in Klassenzimmer zu unterrichten. Jeder glaubt, dass Cybersicherheit von Informatiklehrern unterrichtet werden sollte – eine Stelle, die die meisten Schulen nicht einmal haben“, heißt es von der NGO.

Werden Medienkompetenz und Internetsicherheit an deutschen Schulen unterrichtet?

Eine grundlegende Computereinführung ist in fast allen Bundesländern Teil des Lehrplans. Internetsicherheit und ein verantwortungsbewusster Umgang mit Medien rückt immer mehr in den Fokus des öffentlichen Interesses und soll auch vermehrt an Schulen unterrichtet werden. Natürlich müssen dazu auch die Lehrer ausreichend geschult werden und der Lehrplan ständig an die neusten technischen Entwicklungen angepasst werden. Die Webseite klicksafe.de unterstützt Schulen und stellt Lehrmittel und Informationsblätter für Schüler und Eltern bereit. Auf internet-abc.de gibt es verschiedene Abteilungen für Kinder, Eltern und Lehrkräfte. Hier können Grundschulkinder auch einen „Surfschein fürs Internet“ ablegen.

Abschließen lässt sich festhalten, dass es einige Beispiele für Vorreiter gibt – das Cybersecurity Education Training Assistance Program der Amerikanischen Homeland Security hat das Ziel, Lehrer mit dem nötigen Wissen auszustatten, das sie brauchen, um Internetsicherheit an ihre Schüler zu vermitteln. Während viel noch getan werden muss, um Wissen über Internetsicherheit ausreichend an Schüler und Studenten weiterzugeben, gibt es doch Anzeichen dafür, dass das Thema Internetsicherheit in der Bildung immer mehr Aufmerksamkeit bekommt.

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