Parental Control: Präventivmaßnahmen vs. Eingriff in die Privatsphäre

Parental Control: Präventivmaßnahmen vs. Eingriff in die Privatsphäre

Jung, digital und immer online: Wie beschützen Parental Control Apps Kinder und wie schaffen die Eltern damit den Spagat zwischen Präventivmaßnahme und Eingriff in die Privatsphäre ihrer Kinder.

Jung, digital und immer online: Wie beschützen Parental Control Apps Kinder und wie schaffen die Eltern damit den Spagat zwischen Präventivmaßnahme und Eingriff in die Privatsphäre ihrer Kinder.

In der Episode „Arkangel“ der berühmten Netflix-Serie „Black Mirror“ entscheidet sich ein Helikopter-Mutter dazu, einen Chip in das Gehirn ihrer Tochter einpflanzen zu lassen. Auf diese Weise erhält sie Zugang zum Tablet der Tochter und kann über eine App alles miterleben, was ihr Kind sieht und fühlt.

Die Anwendung war ursprünglich als Parental Control App gedacht. Nun erlaubt sie der Mutter aber nicht nur das zu sehen, was die Tochter sieht. Sie kann auch die Emotionen und verschiedenen Stimmungen der Tochter aufzeichnen. Ein Filter ermöglicht das herausfiltern potentieller schädlicher Inhalte. Das Mädchen sieht diese dann nur verpixelt.

Über die Nützlichkeit der Parental Control Apps

Sicherlich stellt das Implantieren des Chips ein Extrem dar. Aber man muss gar nicht so weit wie in der Serie gehen, um sich zu fragen, welche elterlichen Aktivitäten noch als „im Auge behalten“ gelten und was einen Eingriff in das Privatleben der Kinder darstellt.

Schon jetzt gibt es Apps, um den Standort zu überwachen, oder das Gesehene im Internet oder TV. Es gibt auch Anwendungen, die auf das Mikrofon der Smartphones der Kinder zugreifen und den Eltern die Geräusche und Sounds des Aufenthaltsorts der Kinder übermitteln. Andere schneiden sogar ganze Bildschirminhalte mit.

Diese Tools bieten scheinbar die perfekte Lösung für Eltern von „Digital Natives“. Allerdings funktionieren nicht alle Apps gleich, sodass sich eine genaue Analyse und ein Vergleich lohnt.

Hinzukommt die Tatsache, dass einige Anwendungen auf den ersten Blick für die Eltern zwar sehr nützlich erscheinen, aber einen enormen Eingriff in die Privatsphäre der Kinder bedeuten. Hier sollten Eltern aufpassen, denn sie könnten ungeahnte Reaktionen beim Kind hervorrufen – wie etwa ein Gefühl von Gefangenschaft. Viele Kinder suchen dann einen Weg, den Schutz zu umgehen.

Die Best Practise stellt wie in der echten Welt nicht die Kontrolle dar, sondern die Aufklärung und die Konversation darüber. Es geht darum, dass Kind in der digitalen Welt zu begleiten – deren Komponenten zu erklären und auf Gefahren und Risiken hinzuweisen. Die Kleinen sollen den verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet genauso kennenlernen, wie Schutzmechanismen, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten.

Für jüngere Kinder ergeben die Parental Control Apps durchaus Sinn. Wir denken da beispielsweise an die ersten Schritte der Kleinen mit dem Computer oder dem Smartphone. Im frühen Erwachsenenalter kann man den Einsatz dieser Anwendungen aber immer weniger vor seinen Kindern rechtfertigen. D.h. die Eltern müssen die Kontrollen nach und nach abbauen und lernen, die Verantwortlichkeit an die Kinder abzugeben.

Das Ziel sollte sein, das die Kinder mit dem Eintritt in die Pubertät verstanden haben, welche Risiken im Internet bestehen und wie sie sich selbst schützen können. Die Kinder sollen wissen, dass sie mit den Eltern über alles reden können. Um das zu erreichen, müssen die Eltern, am besten mit dem Eintritt der Kinder in die digitale Welt, den Dialog suchen.

Best Practise für Parental Control Apps

Best Practise für Parental Control Apps

Eltern sollten wissen, dass Parental Control Apps beiden Seiten nützlich sind. Sie sind vielmehr eine Form der Fürsorge als auferlegte Kontrolle. Wer eine passende App gefunden hat, sollte sie zusammen mit dem Kind installieren und konfigurieren. Zuvor muss allerdings der grundlegende Konsum digitaler Medien bestimmt und Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Den Kleinen sollte man erklären, dass sich Mama und Papa mit Hilfe der Parental Control App kümmern können.

Kernfunktionen von Parental Control Apps erläutert

App Control
Auf das Alter basierende Filter verwalten auf welche Apps das Kind zugreifen kann.

Internetzugangskontrolle
Unangemessene Inhalte werden individuell oder pro Kategorie geblockt.

Limit für Spaß und Spiel
Ein Limit begrenzt die Zeit, die ein Kind mit einem Computer oder Smartphone spielen kann. Außerdem können Tageszeiten, Zugriff zu Spiele-Apps verwaltet werden. Während den Schlafzeiten kann der Zugriff beispielsweise blockiert sein.

Standort
Hiermit kann der letzte Standort des Geräts ermittelt werden.

Berichte
Der Zweck der Berichte ist das Informieren der Eltern über das generelle Verhalten des Kindes im Internet. Damit kann bestimmt werden, wann es Zeit ist, bestimmte Kontrollen zu lockern. Die Berichte schlüsseln beispielsweise auch die Benutzungsdauer einzelner Apps auf.

Letztendlich geben die Berichte eine gute Auskunft über meistverwendete Apps. Eltern erkennen hier die Favoriten der Kinder und können eventuelle „Interessenstendenzen“ ableiten. Außerdem ergibt sich aus ihnen unter Umständen ein Ausgangspunkt für ein Gespräch über die Sorgen und Ängste.

Eltern sollten immer damit rechnen, dass die Kleinen ein schon viel besseres Verständnis über die Funktionsweise einzelner Apps oder über das Gerät besitzen als angenommen. Allerdings wissen sie weniger über die Risiken und lauernden Gefahren Bescheid. Was könnte also besser sein, als die Technologie auf sichere Weise gemeinsam zu nutzen?

Was denken Kinder über Internetsicherheit?

Im letzten Abschnitt haben wir viel darüber gesprochen, wie Eltern am besten die Technologie im Blick haben, die ihre Kinder täglich benutzen. Was denken die Kleinen aber selbst über Internetsicherheit? Betrachten sie das Thema als wichtig? Was fürchten sie im Internet am meisten? Das sind einige Fragen, welche die Umfrage von Digipadres und Argentina Cibersegura stellte. Ihr Ziel war es, die Meinung der Kinder in Erfahrung zu bringen, um letztendlich besser über das Sicherheitsgefühl Bescheid zu wissen.

Eine wichtige Erkenntnis der Umfrage ist, dass schon etwa jedes dritte Kind eine unangenehme Situation im Internet erlebt hat. Auf die Frage, was sie am meisten im Internet fürchten, antwortete die Mehrheit:

  • Passwortdiebstahl
  • Identitätsdiebstahl
  • Offenlegen persönlicher Informationen
  • Verschicken von Fotos an jemand anderen

Ein Umfrage-Ergebnis, das für die Eltern von besonderem Interesse sein könnte, ist, dass mehr als 50% der befragten Kinder bereit wären, mit ihren Eltern über Sorgen und Ängste sowie unangenehme Situationen im Internet zu reden.

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