Achtung vor Fake News zum Krieg in der Ukraine

Unwahrheiten über den Krieg in der Ukraine gibt es in allen Formen und Arten - hier ein paar Beispiele für die Fake News, die verbreitet werden.

Unwahrheiten über den Krieg in der Ukraine gibt es in allen Formen und Arten – hier ein paar Beispiele für die Fake News, die verbreitet werden.

Manipulation, Propaganda, Lügen und Halbwahrheiten, die sogar einen Keil zwischen die Verwandten diesseits und jenseits der russisch-ukrainischen Grenze treiben. Ein Krieg um die Wahrheit spielt sich an der digitalen Front ab, bei dem Verbreiter von Desinformation groß angelegte Kampagnen inszenieren. Sie haben die Absicht, die Meinung der Menschen zu beeinflussen, Vertrauen zu untergraben und Zwietracht zu säen.

Im Kampf um die Herzen und Köpfe werden Nachrichten, Fotos und Videos als mächtige Waffen in der Informationskriegsführung eingesetzt und an ein Publikum in der ganzen Welt weitergegeben. Die sozialen Medien erleichtern die Verbreitung von wahren und falschen Informationen – und das in einem viel schnelleren Tempo. Es überrascht jedoch nicht, dass Nachrichten-Websites und das Fernsehen für viele Menschen immer noch die erste Anlaufstelle für Nachrichten sind und daher eine große Rolle bei Des- und Fehlinformationskampagnen spielen können.

In Russland vertrauen 54 % der Menschen immer noch dem Fernsehen mehr als anderen Medien. Diese Zahl, die seit dem Überfall auf die Ukraine sogar um 10 Prozentpunkte gestiegen. Andererseits beziehen nur 17 % der Menschen ihre Nachrichten online, wobei etwa 30 Millionen Nutzer pro Monat Yandex News abrufen, das nur Nachrichten von einer begrenzten Anzahl von in Russland registrierten Medien veröffentlicht und mittlerweile kaum mehr als unabhängig gelten kann.

TikTok, ein neues (Informations-) Schlachtfeld

Nach einigen Jahren Erfahrung mit sozialen Medien und dem Verbreiten von polarisierenden und hasserfüllten Inhalten haben die sogenannten Trollfabriken inzwischen gelernt, dass Bots nicht die gleiche Wirkung erzielen wie organisch gepostete und geteilte Inhalte. Also setzen sie auf eine neue Strategie: Sie heuern Menschen auf sozialen Plattformen an, die ihre Botschaften über Kommentare und Beiträge mit ihren echten Profilen verbreiten. Unternehmen wie TikTok und Twitter haben festgestellt, dass die Zahl der Follower von Pro-Kriegs-Accounts innerhalb weniger Tage in die Tausende ging. Twitter hat mehr als 100.000 Konten wegen Verstößen gegen seine Spam-Richtlinien gelöscht und 50.000 Inhalte gekennzeichnet oder entfernt.

Selbst in Russland, wo TikTok das Hochladen neuer Inhalte blockiert hat, können Nutzer über die Webversion der App mit eingeschaltetem VPN immer noch neue Videos zu ihren Konten hinzufügen. Dies geschieht jedoch nicht in großem Umfang und es ist leicht möglich, Nutzer mit solchen Inhalten zu erkennen: durch die Verwendung russischer Flaggen auf ihren Profilbildern.

Fakes als solche entlarven

Journalisten und Faktenprüfer hatten und haben einige schlaflose Nächte, um die falschen Geschichten rund um den Krieg zu entlarven. Hier sind einige Beispiele:

  • Deepfake Präsidenten

Am 16. März tauchten auf Twitter zwei Deepfakes auf, die angeblich zeigen, wie der ukrainische und der russische Präsident die „Kapitulation“ von Kiew ankündigen. So sollte der Kriegsverlauf verändert werden. Bei den Videos handelt es sich um manipulierte Versionen echter Videos von Pressekonferenzen.

Wenn einem die Realität nicht reicht, um die Falschheit dieser Videos zu bestätigen, kann man die Videos auch mit den echten Konferenzen vergleichen. Es ist auch leicht, Unstimmigkeiten zwischen ihren Lippenbewegungen und Worten zu finden. Zelensky bestätigte zudem auf seinem offiziellen Instagram-Konto, dass das Video gefälscht ist.

Es ist oft schwierig bis unmöglich, einen Deepfake auf den ersten Blick zu erkennen. Letztlich haben sie aber die Macht, das Vertrauen der Menschen in das, was sie sehen und hören, zu untergraben. Die Wahrheit selbst wird zu einem relativen Wert, der von der Überzeugung des Einzelnen abhängt.

  • Aus dem Kontext gerissen

Quelle: Politifact

Das Bild oben ist echt, aber es stammt nicht aus der Ukraine. Tatsächlich handelt es sich um eine Feier zum 55-jährigen Jubiläum des ersten Weltraumfluges von Juri Gagarin im Jahr 2016,.Die Kinder im Bild versuchen also die Zahl 55 nachzustellen. Zudem wurde das Bild in Kemerowo, Russland, aufgenommen, wie eine umgekehrte Bildersuche bestätigen konnte.

Quelle: AFP

Diese Technik, bei der auch Videomaterial aus dem Zusammenhang gerissen wird, wird sehr häufig verwendet. In diesem Fall wird ein Video aus Moskau im Jahr 2020 so dargestellt, als sei es in der Ukraine aufgenommen worden.

  • Falsche Faktenchecker

„Wir machen keine Politik. Aber wir halten es für wichtig, unvoreingenommene Informationen über die Geschehnisse in der Ukraine und in den Gebieten des Donbass zu liefern, denn wir sehen Anzeichen für einen Informationskrieg, der gegen Russland geführt wird“. [WarOnFakes.com]

Die Messaging-Plattform Telegram hat sich aufgrund ihres großen russischsprachigen Publikums zu einem beliebten Ort für Fake News entwickelt. Einer der erfolgreichsten Kanäle ist „War on Fakes“. Laut den Eigentümern ist es „unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es im Informationsraum nur objektive Veröffentlichungen gibt“. War on Fakes ist in sechs Sprachen verfügbar und hat sich zum Ziel gesetzt, auch Menschen außerhalb Russlands zu erreichen. In Russisch hat der Kanal in nur zwei Monaten 705.000 Abonnenten erreicht.

Die Realität ist jedoch düster. Der Kanal (und die entsprechende Website) verwendet Verschwörungstheorien und glatte Lügen, um zu verkünden, dass Russland für die meisten Ereignisse in der Ukraine nicht verantwortlich ist. Ihre Fälschungen wurden von Nachrichtensendern und Faktenprüfungs-Websites entlarvt, die Teil des „International Fact-Checking Network“ sind.

  • Fake Livestreams

Livestreams haben eine unmittelbare Wirkung, denn sie erzählen Geschichten, während sie sich in Echtzeit zutragen. Auf TikTok ist die Realität jedoch einmal mehr nicht das, was sie zu sein scheint. Mehrere Konten wurden entdeckt, die gefälschte Live-Aufnahmen von Videos in Schleife zeigen – mit gefälschten Tonspuren, die meist nichts mit dem Krieg in der Ukraine zu tun haben.

  • CGI, Films und Videospiele

Kriegsfilme und Videospiele sind (vor allem grafisch) in den letzten Jahren immer realistischer geworden. Jetzt werden sie als „echtes“ Kriegsmaterial verwendet. Die obigen Szenen stammen aus „War of Chimeras“, einem Film von zwei ukrainischen Regisseuren aus dem Jahr 2017. Das Video wurde mehrere Tausend Mal geteilt.

Die Realität – eine Fragen des Glaubens?

Fake News als echt zu bezeichnen und das Konzept der Faktenprüfer zu kopieren, wird die Realität weiter verzerren. Während wir im Moment noch ein paar Regeln befolgen können, um Desinformation zu bekämpfen (selbst während eines Krieges), wird es schwieriger werden, dies ohne die Unterstützung automatisierter Tools zu tun.

Letztendlich ist es die Wahrheit selbst, die zum Opfer wird. Und eine Welt mit solch einer Masse an Informationen droht zu einem Spinnennetz aus Unwahrheiten zu werden, in dem die Realität nur noch eine Frage des Glaubens ist.

 

Haben Sie Fragen und Anregungen zu diesem, anderen oder zukünftigen Themen, die Sie gern betrachtet sehen wollen? Dann nutzen Sie gern die Kommentarfunktion unter diesem Artikel oder nutzen unser Kontaktformular!

Erhalten Sie E-Mails zu neuen Artikeln zur Cyber-Sicherheitslage in der Ukraine. Jetzt anmelden!

Newsletter-Anmeldung

Hier können Sie mitdiskutieren