Wenn Liebe nur kostet: Online‑Betrug und der Valentinstag

Wir schauen uns die Maschen der Romance-Scammer an und wie man es vermeidet darauf hereinzufallen.

Wir schauen uns die Maschen der Romance-Scammer an und wie man es vermeidet darauf hereinzufallen.

Fast alle Menschen suchen irgendwann in ihrem Leben nach einer besonderen Person, mit dem sie ihr Leben teilen können. Wer noch nicht das Glück hatte, seinen Partner zu finden, der ist weiter auf der Suche, und zwar zunehmend online. Der globale Markt für Online-Dating soll Schätzungen zufolge bis 2025 fast 3,6 Milliarden US-Dollar erreichen.

Allerdings wächst auch die Cyberkriminalität in diesem Bereich. Spezialisierte und hochprofessionelle Betrüger machen ein großes Geschäft mit der Einsamkeit von Menschen und verursachen nicht nur finanzielle Schäden. Deswegen wollen wir am heutigen Valentinstag unsere Warnung vor sogenannten Romance Scams, dem Online-Betrug mit der Liebe, erneuern.

Wir zeigen Ihnen, was Sie tun können, um nicht auf Liebesbetrüger hereinzufallen.

Wie funktionieren Liebesbetrug?

Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass Sie nicht alles Glauben können, was Sie im Internet lesen. Ebenso wenig sollten Sie jedem Menschen glauben, den Sie im Internet treffen. Tatsächlich ist das Internet voll von Menschen, die sich für eine andere Person ausgeben und deren Ziel es ist, Sie um so viel Geld wie möglich zu erleichtern. Sie sind Meister darin unsere Emotionen zu manipulieren und einsame Menschen sind ihre perfekten Opfer.

Romance- oder Dating-Scams, die manchmal auch Catfishing-Scams bezeichnet werden, nennt man Betrügereien, die Betrüger mit gefälschten Personas auf Dating-Sites begehen. Dort freunden sie sich mit einsamen Menschen an, bauen eine Beziehung zu ihnen auf und machen möglicherweise sogar einen Heiratsantrag. Allerdings beginnen sie ihre Opfer auch nach kurzer Zeit um Geld oder die Eröffnung eines Bankkontos zu bitten, das sie verwenden können. Letztere werden zum Waschen von Erträgen aus Straftaten verwendet und machen das Opfer des Liebesbetrugs effektiv zu einem unwissenden Geldkurier. Zahlen aus dem Jahr 2018 besagen, dass 30 % der Opfer als Geldkuriere missbraucht wurden. Daneben versuchen die Betrüger auch, ihre Opfer dazu zu überreden ihnen kompromittierende Fotos oder Videos zu senden, die sie dann für Erpressungsversuche verwenden können.

Im Video (auf Englisch) erklärt ESET Sicherheits-Experte Jake Moore was hinter dem Begriff „Catfishing“ steckt.

Eines ist klar: Dating-Betrug ist ein großes Geschäft. Obwohl Romance Scams im vergangenen Jahr in den USA nur auf Platz 8 der häufigsten Cyberverbrechen gelandet ist, war es die zweithöchste Einnahmequelle und den Cyberkriminellen über 600 Millionen US-Dollar ein, ein Fünftel mehr als im Jahr zuvor.

Wie Sie Betrüger erkennen können

Viele Romance-Scams laufen nach einem ähnlichen Muster ab. Verdächtig sind Personen, die

  • vorgeben, außerhalb des Landes zu leben oder zu arbeiten, in dem sich das Opfer befindet
  • behaupten, auf einer Bohrinsel, beim Militär oder als Arzt zu arbeiten
  • dem Opfer viele persönliche Fragen stellen
  • und die zugleich ausweichend antworten, wenn ihnen Fragen zu ihrem Leben gestellt werden
  • die ihre Online-Beziehung mit dem Opfer sehr schnell zu einer „Liebesbeziehung“ erklären
  • die immer ausgefeiltere Ausreden dafür finden, warum sie sich nicht persönlich treffen oder an einem Videoanruf teilnehmen können
  • die versuchen, das Gespräch so schnell wie möglich von der Dating-Site in einen privaten Chat zu verlagern
  • die perfekte Profilfotos haben
  • die Ihnen verworrene Geschichten darüber erzählen, warum sie Geld von Ihnen brauchen, besonders für:
    • Reisekosten wie Flugtickets
    • Arztkosten
    • Visa und Reisedokumente
    • Spielschulden
    • Oder Zollgebühren für wichtige Importartikel.

Wenn Romance-Scammer ihre Opfer um Geld bitten, dann bitten Sie darum normalerweise entweder in Form einer Überweisung, um Geschenkkarten oder Bargeld-Auflade-/Prepaid-Karten. Falls sich das Opfer weigert, wird es der Betrüger normalerweise weiter versuchen, bis es nachgibt. Dabei sind die Betrüger äußerst geschickt darin immer ausgefeiltere Geschichten und Ausreden zu erfinden, warum sie dringend Hilfe und Geld von ihren Opfern benötigen.

Manche Opfer haben auf diese Weise Zehn- oder sogar Hunderttausende Euro verloren. Oft können die Opfer bis zum bitteren Ende nicht wahrhaben, dass sie einem Betrüger aufgesessen sind. Aus Angst vor sozialer Ausgrenzung und aus Scham gehen viele auch nicht zur Polizei um den Betrug zu Anzeige zu bringen. Deswegen geht man bei Romance-Scams auch von einer hohen Dunkelziffer bei Opfern und finanziellen Schäden aus.

Der Journalist Henning Sußebach beschreibt in seiner Reportage in der Zeit den Fall eines Betrugsopfers und verfolgt die Spur der Täter in die ghanaische Scammer-Industrie. Im Zeit Verbrechen Podcast schildert er, wie raffiniert und professionell die Täter dabei vorgehen.

Wie man Dating-Betrüger entlarvt

Laut ESET-Untersuchungen glauben 52 % der Menschen, dass sie Einsamkeit am Valentinstag anfälliger für Romance-Scams macht. Was können Sie also diese Betrüger entlarven?

Es lohnt sich, wenn Sie zu Beginn einer Online-Begegnung etwas Recherche betreiben. Das ist zwar nicht sehr romantisch, aber es könnte Ihnen auf lange Sicht viel Kummer und Geld ersparen.

  • Erwägen Sie eine Rückwärts-Bildersuche des Profilbildes, um zu sehen, ob es vielleicht auch in anderen Profilen und mit anderen Namen oder Details auftaucht.
  • Versuchen Sie die Kontakte mit ihrem Namen und ihren Details zu suchen, um zu sehen sie tatsächlich reale Personen sind.

Um die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, dass Sie von einem potenziellen Liebesbetrüger ins Fadenkreuz genommen werden, sollten Sie persönliche Daten in den sozialen Medien nicht übermäßig teilen. Gehen Sie mit jeder neuen Online-Beziehung langsam vor und stellen Sie viele Fragen. Achten Sie auf Fehler in der Rechtschreibung ebenso wie auf unstimmige Details in den Geschichten. Falls ihr Gegenüber ihnen ausweicht oder fadenscheinige Ausreden erzählt, dann nehmen Sie dieses Warnsignal ernst.

In keinem Fall sollten Sie Geld an Personen senden, Bankkonten für sie eröffnen oder kompromittierende Fotos/Videos an sie versenden, wenn Sie sie nicht persönlich getroffen haben.

Falls Ihnen das Verhalten eines Online-Kontakts merkwürdig oder verdächtig erscheint, dann kann es hilfreich sein, die Meinung eines engen Freundes dazu einzuholen. Oft gelingt es Außenstehenden, die Geschichten der Betrüger besser zu hinterfragen als den (potenziellen) Opfern.

Was tun, wenn Sie den Verdacht haben, Opfer geworden zu sein?

  • Beenden Sie sofort jegliche Kommunikation mit der Person.
  • Sichern sie möglichst alle Kommunikation mit dem Täter.
  • Sprechen Sie mit einem Freund oder Familienmitglied, um eine ehrliche Meinung über die Person einzuholen.
  • Wenn Sie sie mit einer Geschenkkarte bezahlt haben, wenden Sie sich sofort an den Anbieter und prüfen Sie, ob er das Geld zurückerstatten kann.
  • Falls der Täter ihre Kontodaten erhalten hat, dann wenden Sie sich an ihre Bank.
  • Melden Sie verdächtige Profile an die Anbieter von Dating-Plattformen.
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei

In den heutigen Pandemie-Zeiten hat sich Online-Dating noch viel stärker verbreitet und ist vielfach die wichtigste verbliebene Möglichkeit, um andere Personen kennenzulernen. Leider nutzen das auch die Online-Betrüger für sich aus. Bleiben Sie daher vorsichtig und vertrauen Sie auf ihren gesunden Menschenverstand mehr als auf die Beteuerungen des Gegenübers. Wenn es zum Schlimmsten kommt und Sie zum Opfer werden, dann schämen Sie sich nicht, das Verbrechen anzuzeigen und sich Hilfe zu suchen. So können Sie anderen mehr Kummer ersparen.

 

Weitere Tipps zum Thema Scamming finden Sie auf der Seite polizei-beratung.de

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