Digitaler Nachlass – so bereiten Sie sich vor | WeLiveSecurity

Digitaler Nachlass – so bereiten Sie sich vor

Was passiert mit Ihrer digitalen Präsenz nach ihrem Tod? Es ist nie zu früh sich mit dieser Frage zu beschäftigen.

Was passiert mit Ihrer digitalen Präsenz nach ihrem Tod? Es ist nie zu früh sich mit dieser Frage zu beschäftigen.

Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich hier über ein Thema schreibe, das manchen in Zeiten der Covid-19-Pandemie als heikel erscheinen mag. Da ich die Frage des digitalen Nachlasses generell für wichtig halte, ist dies zwar ein Anlass, doch nicht der eigentliche Grund für diesen Artikel.

Wie viele Menschen ist das Internet Teil meines alltäglichen Lebens und auf vielfältige Weise mit meinem Offline-Leben verflochten. Die jüngsten Ereignisse haben mich dazu gebracht, über meinen digitalen Nachlass nachzudenken und Vorbereitungen zu treffen, damit meine Hinterbliebenen, im unerwarteten Fall der Fälle, mit meinem digitalen Erbe weniger gestresst werden. Dabei habe ich auch über Leitlinien für diese Situation nachgedacht.

Zu den wichtigsten Elementen unseres digitalen Fußabdrucks gehören unter anderem Bankkonten, Familienfotos, Musiksammlungen und Playlisten sowie Social Media- und E-Mail-Konten. Im individuellen Fall können weitere Services wichtig sein. Von einigen Dienstanbietern nutzen wir möglicherweise über eine breite Palette von Diensten: Beispielsweise stellt Google unter anderem E-Mail, Foto- und Cloud-Speicher bereit, während Spotify möglicherweise Ihre bevorzugten Wiedergabelisten speichert. Im Falle unseres Ablebens kann der Zugriff auf diese Online-Konten und Daten kurzfristig wichtig sein, um Menschen über eine Situation zu informieren. Auch langfristig ist er wichtig, um sicherzustellen, dass keine wichtigen Daten verloren gehen, die ihre Hinterbliebenen benötigen. Wenn Sie, wie in meiner Situation, wichtige Dokumente und Familienfotos in der Cloud speichern, dann wollen Sie ihren Angehörigen möglicherweise den Zugriff ermöglichen, um wichtige Angelegenheiten zu klären und die Fotos und Erinnerungen zu erhalten.

Da ich, abgesehen von LinkedIn und Twitter für geschäftliche Zwecke, kein begeisterter Social-Media-Nutzer, ist mein Fußabdruck in diesem Bereich wahrscheinlich viel kleiner als bei einem typischen Nutzer. Trotzdem habe ich, ziemlich ungenutzte, Konten auf Facebook und Instagram und möchte sicherstellen, was nach meinem Ableben damit passiert.

Die erste Frage ist, ob Sie möchten, dass Ihre Social-Media-Profile nach ihrem Tod gespeichert oder gelöscht werden, oder ob Sie diese Entscheidung nach Ihrem Tod anderen überlassen. Die im Folgenden vorgeschlagenen Maßnahmen decken möglicherweise nicht alle Dienste oder Konten ab, jedoch sollten sie einen guten Ausgangspunkt für die Nachlass-Vorbereitung darstellen.

Ordnung in Ihre digitalen Angelegenheiten bringen

Ernennen Sie einen digitalen Nachlassverwalter. Es ist gängige Praxis, einen Nachlassverwalter zu ernennen, der sich um Eigentum, Finanzen und Vermögenswerte kümmert und diese nach Ihren Wünschen verteilt. In der heutigen Welt benötigen Sie möglicherweise auch einen digitalen Nachlassverwalter, der die Verwaltung und Abwicklung ihres digitalen Nachlasses übernimmt – Löschen, Konvertieren, Herunterladen und Verwalten von Konten und Profilen. Genauso wie Sie wichtige finanzielle Vermögenswerte auflisten, möchten Sie möglicherweise digitale Vermögenswerte und Ihre spezifischen Anweisungen für jedes einzelne Konto auflisten, damit keine Verwirrung oder Meinungsverschiedenheiten zwischen ihren Hinterbliebenen entstehen.

In Deutschland können Sie eine Person ihres Vertrauens per Vollmacht zu ihrem digitalen Nachlassverwalter bestimmen.

In manchen Fällen kann es nötig sein, einer Person die Zugangsdaten zu Diensten anzuvertrauen. Beispiel: Wenn Sie Kryptogeld in einer digitalen Geldbörse haben, ist es für den Testamentsvollstrecker oder einen Begünstigten Ihres Nachlasses schwierig beziehungsweise unmöglich, darauf zuzugreifen, ohne den persönlichen privaten Schlüssel zu kennen. Der Analysedienst Coin Metrics schätzt, dass mindestens 1,5 Millionen Bitcoins auch aufgrund von Todesfällen als verloren gelten, was dem Gegenwert von über 16 Milliarden US-Dollar entspricht. Es wird nicht empfohlen, einen privaten Schlüssel in einem Testament zu speichern, da dies nach dem Tod zu einem öffentlichen Dokument werden kann. Unabhängig davon, ob Sie die Passwörter und die PIN mit einem geliebten Menschen teilen, sie aufschreiben und in einem Safe aufbewahren oder verschiedene Teile des Schlüssels an eine Gruppe von Freunden verteilen: Es ist klar, dass Sie Vorbereitungen treffen müssen, damit Vermögenswerte in Kryptowährung weitergegeben werden können.

Eine weitere Option ist die Verwendung eines Passwortmanagers. So können Sie eine einzige Datenbank für alle Accounts ihres digitalen Nachlasses erstellen. Diese Option bietet allgemein den Vorteil, dass äußerst komplexe (und damit sichere) Kennwörter generiert werden können, da sie sich nicht mehr alle Kennwörter merken müssen. Alles, woran Sie sich erinnern müssen, ist ein einziges, sehr starkes Passwort, um den Passwort-Manager zu entsperren. Es ist auch ein Schutz gegen Keylogger, da sie nicht überwachen können, was nicht eingegeben wird. Einige Kennwortmanager bieten eine Vielzahl von Optionen, darunter das Erstellen eines Familienplans, einen Dateitresor, der jedem Benutzer einen sicheren Ort zum Speichern wichtiger Dokumente und Informationen bietet, und Optionen für die Kennwortwiederherstellung, falls dies erforderlich ist.

Zugriff auf Accounts von Verstorbenen

Die meisten Dienstanbieter verlangen ähnliche Dokumente, die beim Tod einer Person eingereicht werden müssen. Dazu gehören üblicherweise eine Vollmacht, Geburtsurkunde, Testament oder ein Nachlassschreiben, dass der/die Antragsteller einreichen müssen. Offizielle Dokumente, die den Tod bestätigen, wie eine Sterbeurkunde oder ein Link zu einem Nachruf, müssen ebenfalls eingereicht werden. Im Folgenden finden Sie einige Beispiele für erforderliche Informationen und Optionen, die von einigen der beliebtesten Dienste angeboten werden, sowie einige hilfreiche Links.

  • Bei Facebook können Sie einen Nachlasskontakt ernennen. Dies gibt der Person die Möglichkeit, das Konto in einen Gedenkzustand umzuwandeln und eine endgültige Nachricht zu veröffentlichen. Der Nachlasskontakt kann auch unerwünschte Gedenk-Posts löschen, Tags entfernen, auf Freundschaftsanfragen antworten, das Löschen eines Kontos anfordern und dergleichen. Bedenken Sie jedoch, dass diese Person auch alle von Ihnen erstellten Beiträge sehen kann, auch wenn sie in den Datenschutzeinstellungen als „Nur ich“ markiert sind. Die Anweisungen zum Zuweisen eines Nachlasskontakt auf Facebook finden Sie hier. Die andere Möglichkeit besteht darin, die Löschung des Kontos zu verlangen. Beachten Sie jedoch, dass dies endgültig ist. Die Details zum Löschen finden Sie hier.
  • Seltsamerweise können Sie bei Instagram, das zu Facebook gehört, keinen Nachlasskontakt ernennen. Das Konto kann mit separaten Online-Formularen in einen Gedenkzustand versetzt oder gelöscht werden. Dazu muss ein Todesnachweis, z.B. die Sterbeurkunde vorgelegt werden. Die Löschung des Kontos, muss es von einem unmittelbaren Familienmitglied beantragt werden, wobei ein Verwandschaftsbeweis und eine Bevollmächtigung vorgelegt werden muss.
  • Google verfolgt einen anderen Ansatz, der sich nach Inaktivität eines Accounts bemisst. Die Standardeinstellung ist drei Monate, wobei der Kontoinhaber einen Monat zuvor per SMS an eine vorregistrierte Telefonnummer und eine E-Mail benachrichtigt wird. Die Wartezeit für Inaktivität kann auf 3, 6, 12 oder 18 Monate eingestellt werden. Dies verlängert auch die Benachrichtigungsfrist auf bis zu drei Monate davor. Der nächste Schritt besteht in der Auswahl ihres Nachlasskontakts, der bei Erreichen der Inaktivitätsdauer kontaktiert werden soll. Außerdem legt man fest, auf welche Daten und Dienste dieser zugreifen soll. Die Liste ist lang. Die angegebene Person wird per E-Mail benachrichtigt und ihre Identität wird mithilfe der Multifaktorauthentifizierung über eine vordefinierte Telefonnummer überprüft. Sie kann dann eine Kopie der ausgewählten Daten herunterladen. Der letzte Schritt besteht darin, zu entscheiden, ob Konten gelöscht werden sollen, einschließlich öffentlicher Inhalte wie YouTube-Videos. Der „Inactive Account Manager“ bietet viele Optionen und ist die umfassendste Verwaltungsmöglichkeit für digitalen Nachlass, die ich beim Schreiben dieses Blogposts gesehen habe.
  • LinkedIn bietet die Möglichkeit, ein Konto zu entfernen, wenn es gemeldet und beweiskräftige Dokumente vorgelegt werden. Amüsanterweise ist eine der erforderlichen Informationen der letzte Arbeitgeber, der wahrscheinlich im öffentlichen LinkedIn-Profil des Verstorbenen aufgeführt ist.
  • Twitter stellt dieses Konto-Deaktivierungsformular zur Verfügung.
  • Snapchat bietet nur das Löschen eines Kontos über dieses Formular

Dies ist ein heikles Thema, insbesondere während einer Pandemie. Ich hoffe, es bringt sie dazu, sich selbst Gedanken über ihren digitalen Nachlass und einen digitalen Nachlassverwalter zu machen oder diesen mit Ihrem Anwalt oder ihrer Familie zu diskutieren. Obwohl dies ein unangenehmes Thema ist, kann sich eine Diskussion direkt mit Familienmitgliedern, engen Freunden oder Kollegen als die effektivste Vorgehensweise erweisen. Das Wichtigste ist, etwas zu tun, anstatt nichts zu tun.

Weiterführende Links

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/datenschutz/digitale-vorsorge-digitaler-nachlass-was-passiert-mit-meinen-daten-12002

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