KI dominierte die Diskussionen auf der Black Hat USA 2026 – von umfassenden Erläuterungen zu den heutigen Risiken bis hin zu einer Vielzahl von Vorträgen. In denen wurde behauptet, KI sei in gewisser Weise für die Cyberbedrohungen verantwortlich, mit denen wir zu kämpfen haben.
Die Konferenz begann mit Keynotes, gefolgt von einem „Fireside Chat“ und einer Podiumsdiskussion, an der hauptsächlich hochrangige US-Regierungsvertreter teilnahmen. Den Auftakt machte Sean Cairncross, der Nationale Cyberdirektor des Weißen Hauses Er legte dar, dass eine Regulierung der KI sowohl Innovation als auch Entwicklung hemmen würde und kaum mit dem Tempo Schritt halten könnte, mit dem sich die KI derzeit entwickelt. Aus der Diskussion ging klar hervor, dass ein Wettlauf um die Vorherrschaft im Bereich der KI stattfindet. Wobei Herr Cairncross behauptete, dass „KI eine großartige Geschichte amerikanischer Innovation ist“, und verschiedene weitere Kommentare dazu abgab, wie Amerika auf diesem Gebiet weltweit führend sei. Ich bin mir sicher, dass es viele unter Ihnen gibt, die diese Sichtweise – genau wie ich – mit einem Achselzucken zur Kenntnis nehmen.
Das Internet im Allgemeinen ist eine globale Ressource, von der kein Einzelner und keine Gruppe behaupten kann, sie sei ihre Erfindung oder Innovation. Und das gilt sicherlich auch für den Aufstieg der KI. Während der Eröffnungsreden wurden sogar einige Unternehmen erwähnt, die maßgeblich zur Innovation von „KI made in America“ beigetragen haben. Eines der genannten Unternehmen hat seinen Sitz in London, was diese Behauptung noch absurder machte. Herr Cairncross wies zudem darauf hin, dass die US-Regierung nach Wegen sucht, eine US-amerikanische Open-Source-Infrastruktur aufzubauen, von der der Rest der Welt profitieren kann. Die Zukunft sieht so aus, dass wir alle an einem Strang ziehen, um eine solide Vision und Strategie zu entwickeln. Damit könnten die sich entwickelnden KI-Funktionen sicher, effizient, verantwortungsbewusst und ohne Risiken genutzt werden.
Im zweiten Teil der Eröffnungsrede sprachen Nick Andersen (amtierender Direktor der CISA), Katherine Sutton (stellvertretende Staatssekretärin für Cyberpolitik im Verteidigungsministerium) sowie Brett Leatherman (stellvertretender Leiter der Cyberabteilung des FBI). Das FBI verwies auf den Erfolg der„Operation Riptide“, die zur Festnahme von über 200 Personen führte, denen Cyberkriminalität vorgeworfen wird.
In einer breiter angelegten Diskussion beleuchtete das Podium die rasant sich entwickelnde Situation, mit der wir konfrontiert sind, da KI-gestützte Systeme Schwachstellen in großer Zahl und mit hoher Geschwindigkeit aufdecken. Dies veranlasste den CISA-Vertreter, ein „rücksichtsloses Priorisieren“ zu fordern und die Bedeutung der Zusammenarbeit innerhalb der Branche zu betonen. Ich stimme dem kompromisslosen Ansatz zwar zu, doch ohne eine gewisse Regulierung bleiben die Grenzen für den Einsatz von KI unklar.
Der stellvertretende Staatssekretär für Cyberpolitik fand eine treffende Analogie, als er auf die Schwierigkeiten bei der Ressourcenbeschaffung in der Cybersicherheitsbranche angesprochen wurde: Man möchte schließlich nicht, dass ein Kinderarzt eine Herzoperation durchführt. Dies verdeutlicht sehr treffend, dass Cybersicherheitsteams weltweit nicht über die erforderlichen detaillierten Spezialisierungen verfügen - insbesondere in dieser Zeit der KI -, um sich vor den ausgeklügelten Cyber-Bedrohungen zu schützen. Insgesamt wirkten die Keynotes jedoch wie eine parteipolitische Rede im Vorfeld der bevorstehenden Zwischenwahlen.
Zu den Höhepunkten der Konferenz zählten für mich die zahlreichen Gespräche über die schnell wachsende Zahl von Schwachstellen, die mithilfe von KI in aktueller oder älterer Software aufgedeckt werden, sowie die detaillierten Einblicke des OpenAI-Teams in den Hugging-Face-Vorfall.
Die wichtigste Erkenntnis für mich ist eine Sichtweise, die ich in den letzten Monaten bereits in verschiedenen eigenen Präsentationen angesprochen habe und die auch von mehreren Referenten auf der Black Hat vermittelt wurde. Einer von ihnen, David Weston von Microsoft, sagte zusammenfassend, dass KI-Agenten sich authentifizieren, Tools aufrufen und Berechtigungen übernehmen, genau wie ein menschlicher Mitarbeiter. Jedoch agieren sie ohne die Aufsicht, Richtlinien und Governance, die erforderlich sind, um sie zur Rechenschaft zu ziehen.
Diese Botschaft ist von großer Bedeutung. Wir sprechen von autonomen KI-Angriffen und davon, wie die KI etwas getan hat. Doch hinter der KI stehen Menschen, die die Aufgaben und Sicherheitsgrenzen festlegen. Die Technologie unterliegt unserer Kontrolle, und wir müssen die volle Verantwortung dafür übernehmen. Wenn sie nicht unter Kontrolle ist, gibt es eine einfache Lösung: Schalten Sie sie aus und weisen Sie ihr neue Aufgaben zu – unter Einbeziehung der richtigen Kontrollmechanismen, um die Technologie und die dahinter stehenden Menschen zur Rechenschaft zu ziehen.




