Sharenting – wenn Eltern zuviel teilen | WeLiveSecurity

Sharenting – wenn Eltern zuviel teilen

Viele Eltern teilen häufig Fotos ihrer Kinder in sozialen Medien. Das Sharenting genannte Phänomen birgt Risiken für Eltern und Kinder.

Viele Eltern teilen häufig Fotos ihrer Kinder in sozialen Medien. Das Sharenting genannte Phänomen birgt Risiken für Eltern und Kinder.

Das Teilen von privaten Fotos und Videos über die sozialen Medien gehört zum Alltag sehr vieler Menschen. Wir teilen nicht nur Bilder unseres Essens sondern auch von sportlichen Aktivitäten und allerlei privaten Ereignissen mit unserem Netzwerk. In der Absicht die sozialen Bindungen zu Familie, Freunden und Bekannten zu Stärken, erreichen viele unserer privatesten Postings auch uns gänzlich unbekannte Follower.

So präsentieren viele frischgebackene Eltern voller Stolz Fotos ihrer Kinder. Manchmal sind diese schon vor ihrer Geburt in Social Media, wenn nämlich Ultraschallbilder veröffentlicht werden. Dann kommen auch schnell viele weitere Bilder hinzu: die ersten Zähnchen, die ersten Schritte, usw. – bis ins Teenager-Alter hinein teilen Eltern oft viele Lebensereignisse ihrer Kinder.

Dieses Phänomen wird im Englischen „Sharenting“ genannt, als Ableitung vom englischen Begriff für Kindererziehung (parenting). Es meint das unverhältnismäßig häufige Teilen von Momenten der eigenen Kinder. Eine schnelle Google-Suche ergibt zahlreiche Artikel über das Thema. Zwar ist es in Ordnung, das Bedürfnis zu haben, das Heranwachsen der eigenen Kinder zu dokumentieren. Das Teilen in den sozialen Medien, wo die Fotos eine ganze Reihe von Menschen erreicht, ist allerdings sehr kritisch zu betrachten. Hier einige Gründe dafür:

Die Privatsphäre der Kinder

Obwohl den meisten Eltern offensichtlich das Wohl ihrer Kinder sehr am Herzen liegt, neigen sie dazu, die Privatsphäre ihrer Kinder zu verletzen. Typische Beispiele sind das Sharen (Teilen) von Triumphen oder lustigen Momenten. Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Children’s Commissioner of England veröffentlichen Eltern durchschnittlich 1.300 Fotos und Videos ihrer Kinder bis zum Alter von 13 Jahren.

Zwar teilen Eltern die verschiedenen Lebensereignisse der Kinder mit den besten Absichten, allerdings sollten sie gründlich über die Folgen nachdenken. Details und Fotos können auch Jahre später, wenn die Kinder zum Erwachsenen herangewachsen sind, weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Ohne, dass es den Eltern zum Zeitpunkt der Entstehung bewusst war.

Fotos können das Kind beispielsweise in einem T-Shirt einer politischen Partei oder Sache zeigen, der das Kind gar nicht angehören will oder später damit gar nicht einverstanden ist. Außerdem kann es zum Problem werden, wenn auf dem Geteilten zu sehen ist, welche Elternschaft kultiviert wurde, was zu Gerüchten und einem schlechten Ruf führen kann.

Im jungen Alter müssen die Kinder auf die Umsicht der Eltern vertrauen, wenn es um das Teilen auf Sozialen Medien geht. Haben die Kinder ein Alter erreicht, in dem sie dazu selbst in der Lage sind, muss es eine Diskussion über akzeptable teilbare Inhalte geben. Eltern müssen dann auch den Willen der Kinder respektieren.

Im Alter von 14 Jahren prangerte Apple Martin ihre Mutter Gwyneth Paltrow dafür an, ein Mutter-Tochter-Selfie ohne Einverständnis gepostet zu haben.

Was teile ich als Elternteil, und mit wem?

Informationen sind im Internet suchbar und sehr langlebig. Anders ausgedrückt: „Was es ins Internet schafft, bleibt normalerweise dort.“. Häufig hört man im Zusammenhang mit Sozialen Medien, dass man besser zweimal nachdenken soll, bevor etwas gepostet wird. Ganz besonders gilt das für das Teilen von auf das Kind bezogene Themen.

Leider neigen manche dazu, das zu vergessen. Auch ein im ersten Moment banal erscheinendes Kinderfoto vom zweiten Geburtstag kann viel Schaden anrichten, wenn es in die falschen Hände geriet. Ein Foto kann beispielsweise folgende Daten enthalten:

  • ein Foto des Kindes, beispielsweise mit dem Glückwunsch „Alles Gute zum 2. Geburtstag, John!“
  • Details, wie z.B. Orientierungspunkte, die den Standort des Kindes verraten
  • Informationen über andere Menschen; Fotos von Gruppen können problematisch sein, wegen der Privatsphäre der einzelnen Menschen.
  • Geotags, falls die Standortverfolgung nicht ausgeschaltet wurde.

Wenn wir die Informationen zusammenfügen, haben wir den Namen, das Geburtsdatum und die Adresse des Kindes. Diese Informationen könnten dann z.B. für Identitätsdiebstahl und Betrug verwendet werden.

Auch Stacey Steinberg, stellvertretende Direktorin des Zentrums für Kinder und Familien, ging in ihrer Arbeit auf die Gefahren des Sharentings ein: Die Privatsphäre von Kindern im Zeitalter der Sozialen Medien. Eines der erwähnten Beispiele ist das einer Mutter, die Bilder vom Töpfchen-Gehen ihrer Zwillinge postete. Später fand sie heraus, dass Fremde auf diese Bilder zugriffen, sie herunterluden, veränderten und sie dann auf einer Pädophilen-Website teilten.

Dieses und andere von Steinbergs Beispielen zeigen, dass sich die Menschen manchmal bedauerlicherweise nicht bewusst sind, wie einfach es für andere Menschen ist, Bilder herunterzuladen und zu speichern, die über soziale Medien geteilt werden, oder wie viele Informationen sie wirklich enthalten. Was uns zur zurück zur Unterüberschrift führt – mit wem teilen wir die Fotos eigentlich?

Die Zielgruppe der Beiträge hängt davon ab, wo und mit wem man sie teilen möchten. Wenn ein Social-Media-Profil öffentlich ist, kann buchstäblich jeder, der über das Profil stolpert, den Inhalt sehen. Wenn man es jedoch privat hält, können es nur diejenigen sehen, mit denen man „befreundet“ ist oder denen man erlaubt, zu folgen. Aber wie viele von denen kennt man wirklich? Und wann hat man das letzte Mal seine Freundesliste „aufgeräumt“?

Bei Facebook kann man zum Beispiel für jeden Beitrag ein Publikum auswählen. Ein Post lässt sich so ganz einfach nur für bestimmte Familienmitglieder und ausgewählte Freunde einsehen. Kann man aber darauf vertrauen, dass sie es nicht einfach neu posten und der Post damit eine unüberschaubare Anzahl von Menschen erreicht? Diese Frage stellen sich Eltern wahrscheinlich nicht allzu oft, wenn sie etwas posten.

Verantwortungsvolle „Sharents“

Das sicherste ist wohl, keine Kinder-relevanten Momente zu posten. Das Durchblättern physischer Fotoalben stammt aus einer vergangenen Ära, und es ist ein bisschen unpraktisch, sie herumzuschleppen, um sie mit Familie und Freunden zu teilen – Moderne Eltern nutzen dafür heute Instagram und Co. Es gibt jedoch Möglichkeiten, Fotos mit anderen zu teilen, die die zuvor beschriebenen Risiken mindern.

  • Nichts teilen, was irgendwelche persönlichen Daten oder Informationen enthalten könnte, die zur Identifizierung des Kindes beitragen könnten, wie vollständige Namen, Adressen, Geburtsdaten.
  • Standortverfolgung beim Fotografieren ausschalten, damit die Fotos nicht mit Geotags versehen werden.
  • Detailliertes Vorgehen beim Teilen: zuerst einen Blick in die Datenschutzeinstellungen werfen und das Publikum möglichst klein halten.
  • Fotos und Videos nur mit vertrauenswürdigen Menschen teilen, und bitten, das Material nicht weiterzuverbreiten.
  • Vor dem Posten kurz überlegen, was man mitteilen möchte und ob das dem Kind später schaden könnte.

Jeder versteht die Notwendigkeit, Erinnerungen aufzuzeichnen und sie mit Nahestehenden teilen zu wollen. Das aber sollte auf sicherere und verantwortungsvolle Weise geschehen. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken, die vom „Sharenting“ ausgehen und das Kind möglicherweise im späteren Leben schaden. Eltern sollten mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Kinder zeigen, wie man verantwortungsvoll mit Sozialen Medien umgeht.

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