Cybermobbing – Wie Schulen und Lehrende handeln können | WeLiveSecurity

Cybermobbing – Wie Schulen und Lehrende handeln können

Wie können Schulen und Lehrende gegen Cybermobbing vorgehen? Hier sind vier Prinzipien, die sie berücksichtigen sollten.

Wie können Schulen und Lehrende gegen Cybermobbing vorgehen? Hier sind vier Prinzipien, die sie berücksichtigen sollten.

Unser heutiges Leben ist stark mit der digitalen Welt verwoben – vor allem das der Kinder. Natürlich schuf die technologische Entwicklung allerlei Vorteile. Allerdings beförderte sie auch neue Probleme zutage, wie sie zuvor noch nicht dagewesen sind. Dieser Artikel greift deshalb das Thema Cybermobbing auf und erläutert, was Schulen und Lehrende dagegen unternehmen können.

Cybermobbing ist für Kinder und Jugendliche heutzutage eine der am verbreitetsten Varianten von Schikanen im Internet. Wenn ein Kind in der Schule drangsaliert wird, setzt sich das in aller Regel auch in den sozialen Netzwerken, in Messaging-Apps und auf anderen Plattformen fort.

Einige Bildungseinrichtungen vertreten möglicherweise die Ansicht, dass die Probleme in der digitalen Welt außerhalb des schulischen Bereichs liegen. Belästigung und Schikane im Internet treffen die Betroffenen meist jedoch mehr, als beispielsweise das Mobbing auf dem Schulhof – also das, was unmittelbar greifbar ist.

Im Internet erlangt Mobbing meist eine ganz andere Dimension. Ein Social Media Post kann Hunderte oder sogar Tausende innerhalb von Minuten erreichen. Und noch bevor die betroffene Person merkt, dass ein Gerücht über sie in die Welt gesetzt wurde, tuscheln die Leute untereinander und bilden sich falsche Meinungen.

Die Auswirkungen von Behauptungen über Personen verstärken sich, um so mehr Menschen einen Beitrag sehen, kommentieren und teilen. Es ist kaum möglich, viral gegangene Inhalte zu stoppen oder gar zu löschen – auch dann nicht, wenn der ursprüngliche Aggressor seine Handlung bereits bereut.

Tatsächlich ist die Hemmschwelle sehr niedrig, falsche Behauptungen über andere Kinder in sozialen Netzwerken oder woanders zu verbreiten. Die Ursachen dafür liegen beispielsweise in der gefühlten Anonymität in der digitalen Welt. Die Kinder begegnen ihrem Gegenüber nur mittelbar und stellen falsche Behauptungen über jemanden auf, was sie in der „Offline-Welt“ niemals tun würden.

Wir vertreten einen proaktiven Ansatz, jegliche Art von Online-Schikane zu bekämpfen. Aus diesem Grund haben wir vier Prinzipien niedergeschrieben, die jede Schule und jeder Lehrende übernehmen kann, um Cybermobbing einzudämmen:

Schüler mit digitalem Verantwortungsbewusstsein heranziehen

Da die digitale Welt ein Teil unseres wirklichen Lebens ist, sollten dort die gleichen Regeln gelten. Wenn Kinder über Respekt und soziales Zusammenleben unterrichtet werden, muss das Thema „Internet“ unbedingt mit in die Betrachtungen einfließen. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass Kinder mithilfe von Medienerziehung den verantwortungsbewussten Umgang mit den digitalen Medien erlernen.

Bei den Themen politischer Bildung und Bürgerrechte sollten man über die traditionellen Grenzen hinausgehen. Ethik, Moral und Respekt spielen genauso in der digitalen Welt eine große Rolle. Gruppenübungen und -aktivitäten sollen dazu beitragen, als Einheit zusammenzuarbeiten. Zweck der Aktivitäten ist das Zusammenbringen der Kinder innerhalb einer Klasse, um das Gefühl zu stärken, gemeinsam besser auf ein bestimmtes Ziel hinarbeiten zu können. Dabei werden die individuellen Stärken und Fähigkeiten der Kinder genutzt, um eine Aufgabe zu erfüllen.

Förderung des Verantwortungsbewusstseins ist Verbot vorzuziehen

Achtsamkeit ist sehr mächtig, nicht zuletzt, weil sie das soziale Wahrnehmungsvermögen verändert. Anstatt den Einsatz von Technologie zu verteufeln, kann im Hinblick darauf eine positive Atmosphäre geschaffen werden.

Viele Schulen entscheiden sich gegen den Einsatz von Technologie. Dabei nutzen die Schüler bereits Smartphones – mehr oder weniger heimlich. Die überwiegende Mehrheit von jungen Menschen identifiziert sich mit der modernen Technologie und bindet sie deshalb auch in ihren Alltag ein.

Genau aus diesem Grund ist es wichtig, den Jugendlichen zu zeigen, dass sie die Technologie auch gemeinnützig einsetzen können – beispielsweise um Wissen zu teilen oder sich gegenseitig zu helfen. Außerdem können die Lehrer beim Unterrichten mit digitalen Technologien auf die ethischen Aspekte – beispielsweise auf die Folgen von Cybermobbing – eingehen.

Solidarisch gegen Cybermobbing

Einem Bericht der „Safe2Tell“-Initiative zufolge, wissen in 81% der Fälle von Cybermobbing an Schulen die Mitschüler über eine Mobbing-Attacke Bescheid. Allerdings bewahren sie darüber Stillschweigen, da sie nicht das nächste Cybermobbing-Opfer sein möchten oder Schelten von Erwachsenen befürchten.

Kinder sollen nicht denken, dass Technologie die Schuld für Cybermobbing trägt, sondern die Menschen, die sie unethisch einsetzen. Schulen können Räume zum Zuhören schaffen, in denen ungehindert Dialoge gefördert werden. Die Schüler müssen wissen, an wen sie sich wenden sollen, wenn sie falsches Verhalten erfahren oder mitbekommen.

Egal auf welcher Plattform Cybermobbing stattfindet, es sollte den Betreiber immer mitgeteilt werden. Alle namhaften sozialen Netzwerke besitzen die Möglichkeit, Posts, Kommentare oder Profile zu melden, die jemanden schaden oder schikanieren. Solche Inhalte werden nur auf diese Weise von Social Networks beseitigt, weil man einen Beitrag bzw. ein User-Profil nach einer bestimmten Anzahl von Beschwerden löscht. Eine Beanstandung geschieht stets anonym, sodass man keine „Vergeltung“ oder ähnliches befürchten sollte.

Der Dialog: Support gegen Cybermobbing

Schüler müssen wissen, an wen sie sich im Zweifelsfall wenden können. Vertrauen bildet hierbei die Grundlage für einen Dialog. Eine spanische Umfrage ergab, dass rund 25% der Kinder und Jugendlichen davon ausgehen, dass ihre Eltern weniger Technologie-Verständnis als sie selbst besitzen. Diese Wahrnehmung erzeugt bei den Kindern ein Gefühl, dass sie von ihren Eltern nicht verstanden werden.

Kinder nehmen Geschehnisse in sozialen Netzwerken sehr ernst. Teil ihrer Identität ist nicht nur ihre reale, sondern auch die digitale. Wenn sich ein Schulkind mit einem Problem aus der „Online-Welt“ an einen Lehrenden wendet, dann ist der Erwachsene dafür verantwortlich, dieses genauso ernst zu nehmen, wie ein Problem in der „realen Welt“.

Man sollte sich daran erinnern, dass die Kinder und Jugendlichen mehr Verständnis für neue Technologie mitbringen, Erwachsene aber mehr Lebenserfahrung. Das Erkunden von Themen wie „Risiken moderner Technologie“, „Internet-Sicherheit“ oder „Verhalten im Internet“ spielt für die Dialog-Förderung eine entscheidende Bedeutung. Außerdem es ist wichtig, das Schweigen über Bullying und Cybermobbing zu brechen, indem über Fälle von Schikanen in der Online-Welt und deren Lösungsansätze gesprochen wird. Dabei müssen die Lehrenden einfühlsam sein und ganz offen mit den Kindern und Jugendlichen kommunizieren.

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