Datenleck enthüllt fragwürdige Praktiken der Schweizer HSBC

Ob korrupte Politiker, Waffenhändler oder Steuerhinterzieher – die Schweizer Tochter der britischen Großbank HSBC hat bei ihren Kunden offenbar keinen Unterschied gemacht. Kriminelle weltweit konnten bei der Bank ungestört ihre Milliardenbeträge anlegen. Das geht aus Tausenden von vertraulichen Dokumenten hervor, die vor kurzem an die Öffentlichkeit gelangten. Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR konnten die Dokumente einsehen und haben ausführlich über den Fall berichtet.

Gemessen an der Bilanzsumme ist die Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) die zweitgrößte Bank der Welt. Es ist das bisher größte Datenleck innerhalb dieser Branche, die rund 60.000 geleakten Dokumente enthalten Informationen über mehr als 100.000 Personen aus mehr als 200 verschiedenen Nationen – darunter auch Verwandte und Regierungsmitglieder von Autokraten, Waffen- und Blutdiamantenhändler sowie Terrorfinanzierer.

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Aus den Unterlagen geht darüber hinaus hervor, dass Berater der HSBC ihren Kunden dabei geholfen haben, ihr Vermögen zu verschleiern.

2009 hatten französische Behörden die Dokumente bei dem IT-Experten und ehemaligen Mitarbeiter der HSBC in Genf, Hervé Falciani, beschlagnahmt. Dieser hatte die Informationen offenbar zwischen 2006 und 2008 gestohlen. Die französischen Behörden reichten die beschlagnahmten Unterlagen an die betreffenden Länder weiter, 2010 auch an Deutschland. In welcher Höhe daraufhin hinterzogene Steuern zurückgeholt werden konnten, ist nicht bekannt.

Zudem gelangten eineKopie der HSBC-Dokumente in Besitz der Pariser Zeitung Le Monde, die die Daten an das Internationale Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) in Washington übergab. Diese stellten die Informationen wiederum 45 Medien weltweit zur Verfügung, woraufhin mehr als 140 Journalisten die Dokumente über mehrere Monate hinweg auswerteten.

Die Genfer Justiz hat nun gegen die Schweizer HSBC ein Verfahren wegen des Verdachts auf schwere Geldwäsche eröffnet. Laut der Kantonsregierung sind sowohl die Bank selbst als auch unbekannte Personen Gegenstand des Verfahrens. Heute Morgen habe man mit den Hausdurchsuchungen begonnen.

Picture Credits: ©Beat Strasser/Flickr

Autor , ESET