Grace Hopper: Computer-Bugs und Programmiersprache

Die Geschichte geht in etwa so. Im Bundesstaat Virginia (USA) wurde 1947 ein Fehler im System des Mark II entdeckt. Diese Maschine war einer der ersten programmierbaren Computer der Welt. Ein Team wurde angefordert, um Untersuchungen durchzuführen. Sie fanden heraus, dass eine Motte in einem Relais an dem Fehler schuld war. Sie wurde aus dem Computer entfernt und in das Logbuch geklebt mit den Worten: „First actual case of bug being found.“

Konteradmiralin Grace Hopper arbeitete damals am Mark II. Sie war so vernarrt in die Geschichte mit der verirrten Motte, dass sie diese immer wieder Freunden, Kollegen und Bekannten erzählte. Über die Jahre wurde ihre Person immer unzertrennlicher mit der Idee des Computer-Bugs, Debugging und der Motte im Computer verknüpft. Neben ihrer Rolle als Pionierin des Computer-Zeitalters prägte sie auch den wohlbekannten Ausdruck des Bugs.

Jedenfalls denken das viele. Allerdings ist das nicht ganz exakt. Denn es war kein Fehler im Programm (Code), der für die Funktionsstörung am Mark II gesorgt hatte, sondern eine Motte im Relais dieses Computers.

Nichtsdestoweniger war sie maßgeblich an der Entwicklung des ersten Compilers beteiligt. Dieser übersetzt einen Quellcode in einer bestimmten Programmiersprache in eine für den Prozessor verständliche Maschinensprache.

Dazu wird sie gerne mit folgenden Worten zitiert: „Compiling im Jahr 1951 – Niemand konnte das glauben.“… Ich hatte einen funktionierenden Compiler und niemand traute sich daran. Sie sagten mir nur, dass Computer lediglich für Arithmetiken gedacht sind und nicht für das Schreiben von Computerprogrammen. Es war kein leichter Job, andere Leute dazu zu bringen, es selbst einmal zu probieren.

„Compiling im Jahr 1951 – Niemand konnte das glauben.“

Hoppers Erbe ist weitreichender als nur die Entwicklung des Compilers. Sie prägte Amerikas Technologie der Moderne und stärkte dabei die Rolle der Frau. In dem Film Born with Curiosity wird das unter anderem anschaulich dargestellt.

Aus ihrem Wirken entstand die jährliche Grace Hopper Celebration, die es seit 1994 gibt. Der Verein wird von Dr. Anita Borg und Dr. Telle Whitney geleitet und richtet alljährlich eine Konferenz für Frauen in technologischen Berufen aus. Die Idee ist, dass Frauen zusammen lernen, Ideen austauschen und sich gegenseitig inspirieren.

Was ESET-Forscherin Lisa Myers am meisten beeindruckt, ist der Fakt, dass Grace Hopper einige Male vom eingeschlagenen Weg hätte abgebracht werden können. „Sie wuchst zu einer Zeit heran, als Frauen lediglich eingeschränkten Zugang zu Wissen hatten im Vergleich zu Männern. Aber Hopper war furchtlos. Mit ihrer unbändigen Antriebskraft, Leidenschaft und Kreativität veränderte sie die Welt der Technologie und machte sie zudem, was sie heute ist.

„Menschen reagieren allergisch auf Veränderungen“ sagte sie einst. „Sie mögen es zu verharren, ‚Wir haben das immer so gemacht.‘ Ich versuche das zu bekämpfen. Deshalb habe ich eine Uhr hängen, die entgegen dem Uhrzeigersinn läuft.“

Mit dem Streben weiter zu gehen und hinter die Dinge zu schauen, ist es der Menschheit gelungen, die Rechenleistung eines 15 Meter langen und zweieinhalb Meter hohen, fünf Tonnen Monsters (IBM Automatic Sequence Controlled Calculator (ASCC)), auf die Größe eines Cent-Stücks zu minimieren.

„Ein Schiff im Hafen ist sicher. Aber das ist nicht das, wofür Schiffe gebaut werden.“

Selbst wenn Hopper nicht den Computer-Bug erfunden hat, erschaffte sie es dennoch einen Mythos. Ihr Enthusiasmus für das Programmieren und ihr Bestreben Quellcode in Maschinensprache zu übersetzen sind schon Grund genug, sie als eine der Größen des Computer-Zeitalters zu sehen.

 

 

Autor , ESET