Abfahrt! Tipps zum sicheren Fahrzeugverkauf im Internet

Der Winter naht und gerade für Motorradbesitzer ist das auch immer wieder die Zeit, in der sie ihre „Schätzchen“ entweder winterfest machen oder aufgrund verschiedenster Umstände doch zum Schluss kommen, sich schweren Herzens zu trennen. Dank verschiedenster Plattformen kann man das heutzutage relativ einfach, schnell und bequem über das Internet erledigen. So dachte sich das auch ein langjähriger Freund von mir, an dessen Beispiel ich in diesem Artikel über die möglichen Gefahren beim Privatverkauf im Internet sprechen möchte.

Ich erhielt also gestern einen Anruf mit den folgenden Worten: „Du kannst doch so gut Englisch. Ich habe mein Motorrad bei [EINER BEKANNTEN PLATTFORM] eingestellt und jetzt hier eine E-Mail, die irgendwie keinen richtigen Sinn ergibt, vielleicht kannst Du da mal drüber schauen?!“ Also habe ich mir die Mail weiterleiten lassen und sie stellt sich folgendermaßen dar:

„Hallo [NAME DES FREUNDES]
Ich hoffe, Sie sind gut today.I freue mich, Ihnen zu sagen, dass der Scheck von € 8,200 hat für Sie ausgestellt wurde, um die Kosten für das Motorrad decken abholen Versand und andere logistics.Once Sie den Scheck erhalten, wenden Sie sich an Ihre Bank und lassen Sie mich wissen, wenn das Geld in Ihrem Konto, damit ich senden Sie den Lieferdienst, um Ihr Haus zu holen die bike.Remember, dass das Gleichgewicht des Geldes, das € 3.000 für die shipper.You das Kontroll in wenigen Tagen erhalten würde nachdem Sie bestätigt haben, die mail.I hoffe, Sie verstehen, wenn es irgendeine Frage me.Thanks.
Ich erwarte Ihre Antwort mit Ihren Informationen der Zahlung
Voller Name……………………..
…………………. …………………………
Vollständige Adresse ………………………………………… ………….
Telefonnummer………………………………………… …………………
Ich werde nun anweisen, meine Reederei zu kommen, um Ihren Standort und haben das Bike zu meinem Kunden ausgeliefert, leiten Sie bitte die gleichen Informationen zur E-Mail-Adresse meines Klienten; drsmith[EDITIERT]@usa.com
Ich werde Ihre Antwort erwarten baldigst.
Freundliche Grüße
Joel Ewanick
 
Hello [NAME DES FREUNDES]
I hope you are well today.I am pleased to tell you that the  Cheque of 8.200 euros has been issued to you,to cover the cost of the  bike pick up shipping and other logistics.Once you receive the cheque,take it to your bank and let me know when the money is in your account to enable me send the shipping agent to your house to pick up the bike.Remember that the balance of the money which 3000 euros is for the shipper.You would receive the cheque in few days after you have confirmed the mail.I hope you understand, if there is any question ask me.Thanks.
I await your response with your information of the payment
Full Name……………………………………………………………………
Complete  Address…………………………………………………….
Telephone Number……………………………………………………………
I will now instruct my shipping company to come over to your location and have the bike shipped to my Client,please forward the same information to my client’s  email address; drsmith[EDITIERT]@usa.com
I shall be expecting your response asap.
Best Regards
Joel Ewanick“

Ich gebe zu, es ging mir wohl wie euch, liebe Leser/innen, jetzt auch – ich musste mir das mehrmals durchlesen, um es (auch im Englischen!) zu verstehen. Also habe ich erst einmal den Namen des Absenders mit der E-Mail-Adresse verglichen:
Joel Ewanick – joeewanck@….com

Warum fehlen hier das „l“ und das „i“ in der Adresse? Absicht? Fehler? Also gab ich zuerst die gesamte Adresse in einer Suchmaschine meines Vertrauens leider ohne Ergebnis ein. Danach versuchte ich es nur mit dem Namen und stellte fest, dass dies der eines ehemaligen Marketingchefs von General Motors ist. Immer noch kein direkter Hinweis, aber andererseits auch nicht wirklich vertrauenswürdig. Dann also ein Blick auf die Mail-Adresse des „Kunden“: Eine Suche der gesamten Adresse sowie des enthaltenen Namens ergab keine Treffer. Gut, also die Domain „usa.com“ angeschaut. Und siehe da: ein zumindest interessanter Hinweis – vor allem im zweiten Teil:

Scam Warning!
Recently we have seen a fraudulent scam using an email address @USA.com where a party acts as the US Immigration Service and requests funds via Western Union. We have requested that Mail.com terminate several such email addresses at USA.com and we have reported the scam to the authorities. If you see such a scam please notify us and or Mail.com and also we suggest that you reach out to the Internet Crime Complaint Center (IC3), which is a partnership between the FBI and the National White Collar Crime Center to further report this fraudulent activity.“

Ich telefonierte also mit besagtem Freund und er erzählte mir weiter folgendes:

Kurz nachdem er das Inserat online gestellt hatte, bekam er einen Anruf von einem US-amerikanischen Bürger, der komischerweise von einer britischen Telefonnummer, beginnend mit +44, anrief und ihn nach dem niedrigsten Preis fragte, was mein Freund daraufhin leicht pokernd mit 5200 Euro beantwortete. Das Gegenüber bedankte sich und fragte noch nach der E-Mail-Adresse um alles Weitere schriftlich festzuhalten. Daraufhin erhielt er oben stehende Mail.

Das war der letzte Hinweis, den ich brauchte! Es kamen mir sofort Meldungen von Anfang des Jahres in den Sinn und es wäre wohl wie folgt weiter gelaufen:

Mein Freund (der Verkäufer) hätte also den Scheck eingelöst und zunächst 8.200 Euro gutgeschrieben bekommen. 3.000 Euro davon hätte er abheben und dem „Spediteur“, der mit der Abholung des Motorrads beauftragt worden wäre, gemeinsam mit dem Fahrzeug übergeben sollen. Quasi im selben Moment wäre bei der Bank der Scheck geplatzt und die 8.200 Euro wieder zurückgebucht worden. Das heißt also, der Verkäufer steht letzten Endes mit einem Motorrad und 3.000 Euro weniger da.

Wir sehen hier also eine Kombination bereits bekannter Betrugsfälle. Allerdings hatten die Betrüger einen kleinen Denkfehler – die Information, dass die 3.000 Euro dem „Spediteur“ in bar bei Abholung zu übergeben seien, wurde (noch?) vergessen. Zum Glück wurde mein Freund (auch wenn nur der Sprache wegen) misstrauisch und hat sich richtigerweise nach Hilfe umgesehen – es gibt aber immer wieder Meldungen, dass solche Betrugsmaschen funktionieren und, obwohl sie zur Anzeige gebracht werden, selten zu einer Verhaftung führen, da die Hinter- und Mittelsmänner in der Regel im Ausland sitzen.

Was sollte ich also beim privaten Online-Kauf/Verkauf beachten?

  1. Werden Sie generell misstrauisch bei
    • Mails, deren Inhalt Sie nicht zu 100% verstehen.
    • Beträgen, die (wie auch immer „gerechtfertigt“) höher ausfallen als ursprünglich vereinbart oder üblich.
  2. Wenn Sie nicht gerade ein professioneller Exporteur sind, vermeiden Sie Auslandsgeschäfte – alleine schon um eventuelle Zoll- und Steuerstrafen zu vermeiden.
  3. Geben Sie neben üblichen Kontaktdaten (Nachname, Telefonnummer und gegebenenfalls eine extra dafür angelegte Mail-Adresse) KEINE weiteren persönlichen Daten an.
  4. Bestehen Sie auf einen schriftlichen Vertrag.
  5. Nutzen Sie dazu am besten Musterverträge, wie sie von den gängigen Plattformen bereits angeboten werden und akzeptieren Sie keinen „mitgebrachten“ Vertrag.
  6. Lassen Sie sich nicht auf mündliche Nebenabsprachen (z.B. wer meldet das Fahrzeug ab/um) ein, sondern fixieren lieber alles schriftlich.
  7. Nutzen Sie keine Geldtransfermethoden wie „Western Union“, „MoneyGram“ usw. sondern lieber direkte Überweisungen oder am besten Bargeld.
  8. Fragen Sie im Verwandten- und Bekanntenkreis nach Hilfe, wenn Sie sich nicht sicher sind.
  9. Posten Sie bei den Bildern keine (Zulassungs-) Papiere, Schlüssel oder Kennzeichen.
  10. Achten Sie darauf, dass die Bilder keine „Ortung“ durch Straßenschilder, Hausnummern usw. zulassen.

Dies sind nur grundlegende Tipps, die Liste ist sicherlich nicht vollständig. Aber sie kann Ihnen helfen, Ihr „Schätzchen“ in vertrauenswürdige und liebevolle Hände abzugeben und nicht am Ende ohne Fahrzeug, dafür mit weniger Geld dazustehen.

Bild: eigener Screenshot von mobile.de

Autor , ESET