Mythos Backup – ein Denkanstoß

Nicht erst durch die Einführung des Welt Backup Tages soll die Wichtigkeit des Sicherns digitaler Daten in den Fokus der Aufmerksamkeit aller Anwender gerückt werden. Meine Erfahrung aus 15 Jahren der professionellen Arbeit mit Computern, und Gespräche mit verschiedensten Kunden und Anwendern sagen mir, dass diese Aufmerksamkeit mehr denn je höchst notwendig ist, sich viele aber vor dem „Ungetüm Backup“ fürchten.

Deswegen habe ich versucht, in diesem Artikel sowohl für private Nutzer als auch für Unternehmen die wichtigsten Stichpunkte und vor allem Denkanstöße aus dem Bereich Datensicherung zusammenzufassen.

  1. Warum brauche ich überhaupt eine Datensicherung?
    Ich nutze hierfür gern einen bildlichen Vergleich: Unser Leben / unsere Zeit verläuft linear – so wie ein Felskletterer linear den Berg nach oben klettert. Dazu nutzt er Seil und Haken – mit diesen Haken hat er die Gewissheit, dass sobald etwas schiefgeht, er nur ein kleines Stück zurück- aber nicht bis ganz auf den Boden fällt.
    Je nachdem wie weit sein Fortschritt bereits war, kann das überlebenswichtig für ihn sein.
    Nichts anderes in digitaler Form ist ein Backup – geht etwas schief, können Sie den Schaden maximal eingrenzen.
    Für Firmen gelten überdies verschiedenste gesetzliche Verpflichtungen zur Aufbewahrung von gewissen Daten.
  2. Was sollte denn bitte „schief gehen“?
    Nun, die Möglichkeiten Datenverluste zu erleiden sind vielfältig! Unser Leben findet mittlerweile digital statt. Wir arbeiten, lernen, verlieben uns, informieren uns, buchen Reisen, kaufen ein, halten Kontakt zu Familie und Freunden – und das alles online oder wenigstens mit Hilfe von Computern. Machen Sie sich außerdem bewusst, dass Ihr Smartphone ebenfalls ein Computer ist, mit dem Sie unter Umständen für Sie wichtige Fotos, Dokumente, Kontakte und vieles mehr mit sich tragen.

    • Hardwarefehler
      Im Computer und Server die Festplatte, im Smartphone und Tablet der Speicherchip – alle Medien sind fehleranfällig. Von Naturkatastrophen, wie Erdbeben oder Überschwemmungen einmal abgesehen, so haben diese Medien von Haus aus nur eine begrenzte Halbwertzeit. Fallen die Speicherträger aus, sind die Daten oft verloren und wenn überhaupt, dann nur unter großem technischem Aufwand wiederherzustellen. Das geht nicht nur ins Geld, das kostet Sie wertvolle, weil unwiederbringliche Daten, Fotos, Unterlagen, Briefe und vieles mehr.
    • Malware
      Schadsoftware, die den Inhalt Ihrer Speichermedien verschlüsselt, von Ihnen ein Lösegeld verlangt und dann meist doch keine Entschlüsselung nach Zahlungseingang anbietet, ist leider kein neues, aber ein stark zunehmendes Thema! Das zeigt die Entwicklung, dass mittlerweile auch Smartphones und Tablets davon betroffen sind.
      Sollten Sie Opfer eines solchen Angriffs geworden, Ihre Daten auf dem Firmenserver oder privaten Smartphone erst einmal fremd-verschlüsselt sein, dann hilft Ihnen auch der oben beschriebene hohe technische Aufwand nicht mehr viel. Egal wieviel Geld Sie aufwenden, die aktuellen Verschlüsselungen zu knacken ist kaum möglich.
      Haben Sie jedoch ein Backup Ihrer Daten, lässt sich der Verlust erheblich minimieren.
    • Diebstahl / Verlust
      Sollten Ihr Smartphone, Tablet, Notebook usw. gestohlen werden oder Sie verlieren diese, dann sind automatisch auch die enthaltenen Daten der Geräte verloren. Einem Freund ist es passiert, dass aus dem Spint seiner Universität sein Laptop gestohlen wurde mitsamt seiner Diplomarbeit – da er keine Sicherung hatte, musste er ein ganzes Jahr zusätzlich studieren.
      Ist Ihnen ein Gerät abhandengekommen, können Sie es z.B. mit ESETs Anti-Theft aus der Ferne sperren, um den Zugriff auf Ihre Daten zu verhindern – unter Umständen können Sie auch einen Löschbefehl senden, der alle Daten vernichtet.
      Ein neues Gerät ist oft schnell gekauft, haben Sie ein Backup und spielen Sie dieses auf das neue Gerät auf, so können Sie oft gleich erneut loslegen.

Sie sehen also, diese (sicherlich unvollständige) Liste liefert bereits einige Gründe, regelmäßige Backups anzulegen. Auf welche Methoden Sie als Heimanwender dabei zurückgreifen können, haben wir bereits in einem anderen Artikel beleuchtet.

Sie als Anwender daheim oder Administrator im Unternehmen sind diejenigen, die eine Backup-Strategie planen müssen. Um Ihnen diese Aufgabe ein wenig zu erleichtern, folgen jetzt die wichtigsten Backup Grundpfeiler:

  1. Das Zwei-Orte-Prinzip
    Ich habe es schon mehrfach erlebt – egal ob privat („ich hab doch das Wichtigste auf dem USB-Stick“) oder in Firmen („unsere Bänder sind immer griffbereit in der Nähe“):
    Ein Backup, dass sich physisch in der Nähe der Original-Datenträger befindet, ist kein sinnvolles Backup! Erinnern Sie sich an den Felskletterer– es bringt ihm auch nichts, wenn er zur Sicherheit immer einen 2. Haken an die Haken hängt…
    Wenn Ihnen im Zug die Laptoptasche mit Laptop und Stick gestohlen wird oder die Sicherungsbänder der Firma im Serverschrank aufbewahrt werden, können Sie sich gleich die Mühe sparen.
    Sorgen Sie stattdessen lieber dafür, dass der USB-Stick auf Reisen zuhause bleibt bzw. die Sicherungsbänder im Firmenarchiv aufbewahrt werden.
    Bequemer können hier, je nach Anwendungszweck, online Backuplösungen sein. Achten Sie jedoch darauf, dass die Daten dabei vor der Sicherung verschlüsselt werden. Auch hier gibt es bereits entsprechende Lösungen.
  2. Bestimmen Sie wertvolle Daten
    Teil der Backup-Planung ist die Bestimmung, welche Daten Ihnen so wertvoll sind, dass Sie am besten nie verloren gehen. Das können einerseits die Familienfotos daheim, oder Planungsunterlagen im Unternehmen sein. Manch einer ist vielleicht auch der Meinung, dass Werbemails dazu gehören – wer weiß das schon?
    Handelt es sich um private Geräte, überlegen Sie, ob vielleicht ein Netzwerkspeicher für die gesamte Familie Sinn macht und welcher Nutzer welche Daten gern sichern möchte.
    Das gleiche Prinzip sollte natürlich auch im Unternehmen angewandt werden – sofern vorhanden, beraten Sie sich mit den einzelnen Abteilungsleitern und Datenschutzbeauftragten.
  3. Welche Daten verändern sich wie oft?
    Es gibt verschiedenste Arten von Backups – von vollen Festplattensicherungen bis hin zu einzelnen Dateien. Gerade im Heimnetzwerk macht es wenig Sinn, täglich komplette Backups aller Systeme anzulegen (Smartphones, Tablets, PC, Laptops usw.), aber vielleicht von wichtigen E-Mails oder Fotoalben. Und auch ein Smartphone sollte wenigstens ein- bis zweimal pro Woche gesichert werden.
    Im Unternehmen wird die Situation schnell unübersichtlich – aber auch hier gibt es professionelle Lösungen und Anbieter, die Sie gern bei der Planung und Implementierung unterstützen.

Sie sehen, die Notwendigkeit besteht, den ein oder anderen Sicherungshaken zu setzen, und sicherlich ist dieser Artikel nicht das Ende aller Weisheit – aber durchaus ein Anfang. Und so werden wir auch weiterhin für Sie interessante Artikel zu diesem Thema hier veröffentlichen – mit Sicherheit!

Picture Credits: ©Maria Ly/flickr

Autor , ESET