Privatsphäre ein Menschenrecht? Apple-Chef Tim Cook sagt „Ja“

Ob in den Medien oder in der Politik – Datenschutz und Privatsphäre sind ein allgegenwärtiges Thema. Seien es nun die neuen Datenschutzrichtlinien bei Facebook, David Camerons Forderung, die Verschlüsselung von bestimmten Diensten zu verbieten oder aber Stars und Sternchen, deren Twitter-Accounts gehackt wurden – in allen Fällen steht die Frage nach dem Schutz persönlicher Informationen im Vordergrund.

Die drei Beispiele zeigen zudem, dass hier ganz unterschiedliche Akteure mitmischen, die jeweils sehr verschiedene Interessen verfolgen. Da sind zum einen die böswilligen Hacker, die Informationen stehlen, um sie für Betrüge und – wie im oben genannten Beispiel – Erpressungen zu nutzen oder sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Zum anderen haben wir die Regierungen, die mithilfe von Überwachung und der Sammlung von persönlichen Daten gegen Terrorismus ankämpfen wollen und zuletzt schließlich Unternehmen, die solche Informationen für kommerzielle Zwecke weiterverkaufen.

Tim Cook spricht sich für Privatsphäre aus

Vor diesem Hintergrund scheint es etwas unerwartet, dass sich gerade Apple-Chef Tim Cook für den Schutz der Privatsphäre stark macht. In einem Interview mit dem britischen Daily Telegraph sagte er: „Keiner von uns sollte akzeptieren, dass die Regierung, ein Unternehmen oder sonst wer Zugang zu all unseren privaten Informationen hätte. Dies ist ein grundlegendes Menschenrecht.“

So reicht für ihn auch der Kampf gegen Terrorismus als Grund nicht aus, um Verschlüsselungsmethoden zu verbieten. „Wenn wir nicht verschlüsseln, treffen wir damit die guten Leute“, erklärte er. Denn schließlich hätten die Angreifer ihre eigenen Verschlüsselungsmethoden. „Terrorismus ist furchtbar und muss gestoppt werden“, aber eine Abwertung der Privatsphäre sei an dieser Stelle der falsche Weg.

Aufgrund seiner Einstellung fühle sich Cook den Deutschen besonders nahe, weil sie seine Ansichten zum Schutz der Privatsphäre teilen würden, sagte er der Bild Am Sonntag. Damit will er sich von anderen Unternehmen wie Google oder Facebook sowie vom englischen Premierminister David Cameron abgrenzen, der sich zuletzt für ein Verbot von Verschlüsselungen aussprach.

Als Beispiel für den hohen Stellenwert des Datenschutzes nannte Tim Cook den Bezahldienst Apple Pay. Das Unternehmen wisse nicht, was gekauft, wie viel gezahlt oder wo es gekauft werde. Cook räumt ein, dass Apple mithilfe solcher Informationen Geld verdienen könnte, erklärt aber, dass es den grundlegenden Werten des Unternehmens widerspreche: „Im Leben geht es nicht um Geld, im Leben geht es darum, das Richtige zu tun.“

Apple vs. Facebook: Ein fairer Vergleich?

Ob man den Vergleich zu Facebook tatsächlich ohne weiteres ziehen kann, ist allerdings fraglich. Schließlich besteht das Prinzip dieser Plattform aus dem Teilen von Informationen. Apple verdient Geld durch den Verkauf von Produkten, die Nutzung persönlicher Informationen wäre also nur ein Zusatz. Facebook hingegen bietet Nutzern einen Online-Dienst an, der kostenlos sein soll. Um dennoch Geld zu verdienen, wird eben auf die Informationen der Nutzer zurückgegriffen. Hinter den beiden Unternehmen stehen also zwei grundlegend verschiedene Geschäftsmodelle.

Natürlich bedeutet das nicht, dass man Facebook für seine Datenschutz-Praktiken nicht kritisieren kann. Bedenkt man jedoch, dass das Austauschen von Informationen Zweck dieser Plattform ist, liegt ein Teil der Verantwortung beim Nutzer selbst. Und wie weit diese reicht, verdeutlicht eine Studie der Cambridge Universität, die Anfang des Jahres veröffentlicht wurde. Sie zeigt, dass ein Computer mithilfe von 150 Gefällt-mir-Angaben die Persönlichkeit eines Facebook-Nutzers besser bestimmen kann als ein Familienmitglied. Und hierbei handelt es sich um Informationen, über deren Offenlegung jeder Anwender selbst bestimmt.

Privatsphäre: Wer trägt die Verantwortung?

Möglicherweise verdeutlicht dies eine Tatsache, auf die auch Tim Cook aufmerksam macht – dass viele Nutzer gar nicht verstehen würden, was passiert. Zwar scheinen verschiedene Umfragen darauf hinzudeuten, dass die Privatsphäre im Internet für viele Menschen ein wichtiges Thema ist, doch ein kurzer Blick auf die Nutzerzahl von sozialen Netzwerken und die hier geteilten Informationen lässt darauf schließen, dass dies nicht für alle gilt – oder zumindest nicht in gleichem Maße.

Tim Cooks Einstellung bezüglich des Schutzes der Privatsphäre mag ehrenwert sein, doch die Verantwortung liegt nicht allein bei Regierungen und Unternehmen. Auch die Nutzer sind in der Pflicht, ihre Privatsphäre stärker einzufordern und entsprechend zu handeln. Dazu sollte man sich überlegen, welche Informationen man selbst bereit ist, preiszugeben und das beginnt bei so scheinbar trivialen Dingen wie Gefällt-mir-Angaben oder Fotos.

Picture Credits: ©Mike Deerkoski/Flickr

Autor , ESET