Der digitale Patronus: Wie „Steve“ in fünf Jahren unsere Daten schützen könnte

Jedes Jahr veröffentlicht IBM eine Liste mit Prognosen über fünf Technologien, die unser Leben in fünf Jahren beeinflussen könnten. In diesem Jahr steht in dieser Liste eine Technologie mit Namen: „Steve“.

Laut IBM handelt es sich bei „Steve“ um einen digitalen Patronus, der die Gewohnheiten der Menschen beobachtet und als Warnsystem für Identitätsdiebstahl eingesetzt werden kann.

In einem Interview erklärt J. R. Rao, Direktor für Sicherheitsforschung bei IBM, warum diese Idee keine Fiktion ist, sondern schon bald Realität sein könnte.

F: Wie würde „Steve“ funktionieren? Bräuchte man ein „intelligentes Gerät“?
A: Ja, dieser digitale Patronus wäre eine opt-in Leistung in der Cloud, die jedem Nutzer die volle Kontrolle darüber gibt, wie die eigenen Daten genutzt und gesehen werden. Unternehmen könnten diese Technologie nutzen um sich selbst zu schützen, aber auch um ihre Endnutzer vor Betrügen und dem Verlust wichtiger Informationen zu bewahren sowie deren Privatsphäre zu schützen.

F: Die Menschen bevorzugen meistens Sicherheitsprodukte, die ganz unauffällig im Hintergrund laufen. Warum wird diese interessante Idee durch die Namensgebung personifiziert?
A: Wir haben den Begriff „Steve“ einfach genutzt, um in unserer Grafik die Funktionsweise dieser Technologie darzustellen. Das bedeutet aber nicht, dass man diesen Namen übernehmen müsste, wenn eine solche Technologie tatsächlich auf den Markt käme.

F: Ist diese Art von verhaltensbezogener ID Sicherheit besser als andere Methoden wie z.B. Biometrie?
A: Nein, das würde ich so nicht sagen. Vielmehr ist vorstellbar, dass „Steve“ von der Biometrie und auch von anderen Technologien für die unterschiedlichen Prozesse – Datensammlung, Analyse und Authentifikation – Gebrauch macht.

F: Welche derzeit genutzte Technologie könnte durch „Steve“ ersetzt werden?
A: „Steve“ soll die Technologien, die wir heute nutzen, gar nicht ersetzen, sondern verbessern und erweitern. Sie sollen zu einer Sicherheitslösung zusammengefügt werden: dem digitalen Patronus.

F: Könnten Cyberkriminelle die Hürde „Steve“ überwinden? Wenn ja, was würden seine Schöpfer dann tun?
A: Solang es Hacker gibt, wird es natürlich auch Angriffe geben, die auf den Zugang zu Daten abzielen. Doch es gibt ja auch schon jetzt Technologien, die sicherstellen sollen, dass eine Person – oder etwas – die auf persönliche Daten zugreift, tatsächlich auch ist, wer sie vorgibt zu sein. Identitäts- und Zugangsmanager machen genau das. IBMs mobile Betrugs-, Bedrohungs- und Malware-Erkennung, hilft z.B. auch dabei, mobile Daten zu schützen.

F: Werden die Leute nicht vielmehr Angst haben vor „Steve“ und dem, was er weiß, als dass sie sich geschützt fühlen?
A: Wie schon gesagt wäre der digitale Patronus eine opt-in Leistung, die man selbst installiert. Man könnte dann selbst festlegen, was überprüft und analysiert wird. Unternehmen sind auch jetzt schon im Besitz großer Datenmengen. Wenn man online einkaufen geht, an Unterhaltungen in sozialen Medien teilnimmt oder eine Online Rechnung bezahlt, werden all diese Informationen gesammelt und analysiert. Die Technologie würde den Nutzern die Möglichkeit geben, einen eigenen Vorteil aus diesen Analysen zu erzielen und sich selbst besser vor einem Missbrauch zu schützen.

F: Sind fünf Jahre nicht etwas lang dafür? Google Now befindet sich schließlich auf diesem Analyseniveau. Würde es da nicht Sinn machen, im kommenden Jahr eine solche Technologie als App anzubieten?
A: Unsere Prognosen basieren immer auf der Kombination aus bereits existierenden Technologien und unserer eigenen Laborarbeit. Wenn der Markt für Sicherheit wächst, wird es neue Lösungen geben, um unsere privaten Daten zu schützen – sowohl von IBM als auch von anderen Unternehmen.

Autor , ESET